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ich bin eine.

Ich bin eine. Ich bin eine dieser betrogenen Ehefrauen. Erstaunt schaue ich auf diese Zeilen und kann es selbst noch immer nicht glauben. Atmen. Das ist es, was mein Körper zur Zeit tut. Atmen. Es tut weh, aber irgendwie gelingt es mir. Viel mehr ist nicht drin. So richtig sicher bin ich mir noch nicht, wie ich diesen Blog gestalten werde, was ich zu erzählen habe. Vielleicht will ich eigentlich gar nicht, dass irgendjemand meine Geschichte und meine Gedanken liest. Vielleicht will ich aber auch, dass mir jemand Mut macht. Dass mir irgend jemand sagt: Hey, hör zu. Du bist nicht erbärmlich. Du bist ok. Du kommst in Ordnung. Vielleicht habe ich aber auch einfach nur die Hoffnung, dass es weniger weh tut, wenn ich meine Geschichte aufschreibe. Meine wunderschöne, liebevolle, alltägliche aber so unglaublich schmerzvolle Geschichte. Ich versuche es. Es kann nicht schaden. Oder? Morgen. Morgen versuche ich es.
17.3.16 20:34


Tatsächlich.

Wo fange ich an zu erzählen? Vielleicht an dem Tag, an dem ich herausfand, dass ich nicht mehr die einzige Frau im Leben meines Mannes bin. Der Tag, der meine Welt so tief erschüttert hat. Der mir alles genommen hat, an was ich bis dahin so fest geglaubt hatte. Als mein Mann nach einer zehntägigen Dienstreise nach Hause kam, war ich sehr glücklich. Unser Sohn war in der Zeit 15 geworden und es war der erste Geburtstag, den er ohne seinen Papi hatte feiern müssen. Ich wusste, dass er - obwohl viel zu cool, um das zuzugeben - sehr darunter gelitten hatte und hatte mich auf den Kopf gestellt, um die Lücke so gut wie möglich zu schließen. Sind wir mal ehrlich. Nach vierundzwanzig Jahren Beziehung, egal wie glücklich man miteinander ist, kann so ein Kurzurlaub von der Ehe auch mal ganz erfrischend sein. Ich genoss die ersten drei Tage hemmungslos. Traf mich mit Freundinnen auf ein Glas Wein, gammelte in Schlabberhosen auf der Couch und zappte mich durch nicht erwähnenswerte peinliche Fernsehsendungen. Entspannt, weil weniger einzukaufen war, die Wäscheberge nicht so rasch wuchsen und ich nicht das Gefühl hatte, zu einer bestimmten Zeit des Tages abwechslungsreiches Essen kochen zu müssen. Mein Sohn und ich fühlen uns nämlich zwischendurch echt sauwohl und dekadent, wenn wir uns zwei Tage hintereinander von Fertigpizza ernähren. Fairerweise muss ich allerdings erwähnen, dass all dies jetzt so klingt, als führten mein Mann und ich eine stinkend konservative Ehe mit klassischem Rollenverteilungsmuster. Das ist eigentlich überhaupt nicht so. Ich gehe arbeiten, bin Lehrerin und habe das Glück, dass mein Mann den Haushalt nicht als "Frauenaufgabe" sieht. Wir teilen uns eigentlich alle Aufgaben und er erwartet keinesfalls, dass das Essen abends pünktlich auf dem Tisch steht. Trotzdem fühlt sich der ein oder andere Abend, den man einsam verbringen muss, doch manchmal gar nicht so übel an. Naja. Zuerst. So ab Abend Nummer drei wird die Sehnsucht dann doch langsam größer und ich hatte Heimweh nach meinem abtrünnigen Lebenspartner. Kein Wunder. Wir kennen uns schon, seit wir 15 sind und lieben uns schon seit unserer Schulzeit. Gerade 19 geworden und mitten in der heißen Phase unseres Abiturs hatten wir uns damals wie aus heiterem Himmel ineinander verliebt und gewusst, das ist es. Das ist der Mensch, mit dem ich den Rest meines Lebens teilen will. Und teilen werde. Gemeinsam erwachsen geworden, berufliche Erfahrungen geteilt, schmerzvolle Verluste zusammen ertragen und schließlich als Krönung des perfekten Glücks unseren gemeinsamen Sohn staunend in den Armen gehalten, das verbindet so sehr, dass mein Mann schlicht zu einem Teil meines eigenen ichs wurde. Ich sage immer: Mich gibt es als erwachsenen Menschen gar nicht ohne ihn. Meine Sehnsucht nach meinem Mann brachte mich nicht zum Weinen oder verzehrte mich. Aber dennoch war es da. Dieses ständige kleine stichelnde Gefühl, dass ein Teil von mir fehlte. Wir telefonierten zwar täglich, schrieben uns kleine liebevolle Nachrichten, in denen er mich eifersüchtig machte auf die schönen Abende, die er in Spanien verbrachte, abends in einer netten kleinen Bodega mit einem oder zwei Gläsern Wein, umgeben von vielen lieben Freunden und Kollegen, aber als die Tage endlich gezählt waren und er zu uns zurück nach Hause kam, ich ihn endlich wieder spüren, riechen und berühren durfte, war ich doch sehr glücklich. Das Leben fühlte sich einfach wieder richtiger an. Kompletter. Und ich will nicht schwindeln. Es ist ja nicht so, dass eine Frau Anfang vierzig nicht auch körperliche Bedürfnisse hätte. Es war wunderschön, auch wieder mit meinem Mann schlafen zu können. Wann genau ich bemerkte, dass irgendetwas nicht stimmte, kann ich heute gar nicht mehr so genau sagen. Es schlich sich irgendwann so ein, dieses Gefühl. Ich muss vielleicht dazu sagen, dass mein Mann an mindestens sechs Tagen die Woche arbeitet. Nicht selten kommt der siebte Tag noch mit dazu. Er liebt seinen Job. Zumindest allermeistens. Aber diese Arbeitszeiten sind doch sehr belastend. Weshalb ich immer dafür Verständnis hatte, dass er an wenigstens drei Tagen die Woche zusätzlich zum Sport geht, wo er sich den ganzen Stress von der Seele powert. Deshalb haben wir häufig Wochen, an denen wir uns abends gerade mal ein, zwei Stunden sehen, um dann schlicht ins Bett zu fallen. Es hat mir nie etwas ausgemacht, deshalb auf meine eigene Freizeitgestaltung zu verzichten. Es ist mir zur Gewohnheit geworden, mich ganz unserem Sohn und meinem Job zu widmen und Freundschaften leider viel zu häufig nur durch Telefonate aufrecht zu erhalten. Aber irgendwas war plötzlich anders. Verkehrt. Wenn mein Mann abends nach Hause kam, schlief er häufig von einer Sekunde auf die andere ein. Oder er schaltete den Fernseher ein und starrte konzentriert darauf, selbst wenn Werbung lief. Dabei hielt er mich nicht mehr im Arm, wie noch wenige Tage zuvor. Nein, er saß einen halben Meter von mir entfernt auf dem Sofa, offensichtlich nicht zu Gesprächen oder zum Kuscheln aufgelegt. Ein halber Meter. Klingt eigentlich gar nicht so viel. Aber wenn dieser halbe Meter so urplötzlich auftaucht, so angefüllt ist von dem offensichtlichen Wunsch, alleine zu sein, dann wird er zu einer Riesenkluft. Erst redete ich mir ein, er habe mal wieder eine dieser megastressigen Zeiten im Job. Alles, was ich mitbekam, traf das auch zu. Aber als dieser widerliche halbe Meter sich schließlich auch in unser Ehebett schlich, hielt ich es nicht mehr aus. Ich stellte ihn zur Rede. Zunächst schrieb ich ihm eine verzweifelte Mail, in der ich über meine Sorge um uns beide sprach. Ihn bat, mich nicht so aus seinen Gedanken auszuschließen. Ihn anflehte, mit mir zu sprechen. Abends nahm er sich ein Herz. Es fiel ihm nicht leicht. Das konnte ich ihm ansehen. Und er rang um jedes Wort. Ja, er sei gerade nicht glücklich, meinte er. Wir hätten nur noch so wenig gemeinsam. Ich teilte seine Interessen nicht und wir lebten nur noch nebeneinander her. Stimmt! Jedes Wort, das er sagte, war wahr. Deshalb traf es mich kein bisschen weniger hart. Wo sollte ich denn verdammt noch mal die gemeinsame Zeit mit ihm hernehmen, um wundervolle Erlebnisse mit ihm teilen zu können? Ich war ja da. Ich saß Abend für Abend zu Hause, um auf ihn zu warten. Ich hätte Zeit. Jeden einzelnen verfluchten Tag und Abend hätte ich Zeit. Es war ja SEIN Job, der uns in diese Situation brachte. SEINE Bitte an mich, Verständnis dafür aufzubringen, dass er den Sport als Ausgleich brauchte. Auf der einen Seite war ich wütend darüber, dass er mir seine eigenen Lebensentwürfe nun zum Vorwurf machte, auf der anderen Seite beschlich mich Angst. Schreckliche Angst. Seit wann stellte er denn alles so in Frage, was uns verband? Letzte Woche war doch noch alles in Ordnung gewesen? Und wo sollte der Ausweg herkommen? Wo sollte sich die Lücke im Alltag auftun, die wir würden nutzen können, um uns ein paar gemeinsame glückliche Momente zu stehlen? Dann müssen wir das ändern, sagte ich ihm. Wir müssen uns bemühen, wieder mehr für uns zu tun. Es ist ja nicht so, dass wir als Paar nicht schon ab und zu in stressigen Zeiten gesteckt hatten. Und dennoch hatten wir dann immer wieder auch ruhigere Phasen erlebt, in denen wir dann wieder das gemeinsame Glück hatten genießen können. Du liebst mich doch noch, fragte ich ihn. Er sah mich an und nickte. Dann nahm er mich fest in den Arm, denn ich hatte angefangen zu weinen. Wir schaffen das, Schatz, schluchzte ich. Weil wir uns lieben. Wieder nickte er. Und dann stellte ich die Frage. Eigentlich nur so. Wie man rhetorische Fragen so stellt, ohne sich vorher zu fragen, ob man eine Antwort überhaupt hören will. Gell, Liebling, und du liebst mich auch morgen noch? Und übermorgen? Und für immer? Er sah mich an. Das kann ich dir nicht versprechen, meinte er. Das kann doch niemand auf dieser Welt versprechen. Wow. Das saß. Der Schreck fuhr mir durch alle Glieder und ich konnte im ersten Moment überhaupt nichts sagen. Denn wenn uns eines immer völlig klar gewesen war, seit dem Tag an dem wir uns das erste Mal geküsst hatten, mit 19, auf der Treppe vor dem Haus meiner Eltern, dann, dass wir uns liebten. Heute, morgen, und unwiederbringlich für immer. 24 Jahre lang hatte daran überhaupt kein Zweifel bestanden. Was war das denn jetzt? Wo kam das so plötzlich her? Ich werde aber darum kämpfen, dass es so ist, meinte er. Und ich sah ihn an und glaubte ihm. Weil ich es glauben wollte. Nach diesem Abend war meine Welt ein bisschen anders. Ich überlegte mir jeden Tag, welche gemeinsamen Erlebnisse ich für uns in unserer knappen Zeit schaffen könnte. Ich machte mich hübsch, kaufte mir neue Unterwäsche und hatte Angst. Erbärmliche Angst. Immer mehr bohrte sich da dieser kleine ekelhafte Gedanke in mein Herz.... Ist das wirklich alles? Liegt es nur daran? Oder.... Oder.... Gibt es da vielleicht noch einen anderen Grund? Ist da vielleicht... Kann das wirklich sein? Ist da vielleicht eine andere.....? Nein. Glaub ich nicht. Oder? Dienstag. Es war ein Dienstag. Das weiß ich so genau, weil ich dienstags erst spät Schule habe und es der einzige Tag ist, an dem ich erst nach meinem Mann aus dem Haus gehe. Er war gerade im Bad und ich ließ mir noch einen Kaffee heraus, als mein Blick auf sein Handy fiel, weil es gerade aufleuchtete. Im Sperrbildschirm erschien eine Nachricht. Guten Morgen. Das stand da. Nicht mehr. Nur der Name einer unbekannten Frau und Guten Morgen. Und da wusste ich es. Da war er. Der Grund für alles. Tatsächlich.
18.3.16 16:11


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